Trofee wint de Euregio-literatuurprijs

12/05/2026 — Trofee / Trophäe / Le Trophée wint de Euregio-literatuurprijs!

Trophäe kreeg de Euregio-literatuurprijs. Iets waar ik bijzonder blij mee ben, want het is een prijs van een jeugdjury, wat zeker voor zo’n boek toch wonderlijk is. En omdat het een prijs is die ook de vertalers eert, wat superbelangrijk is, want in het buitenland ben je maar zo goed als je vertaler, en zonder vertaler is je werk er gewoon niet te lezen. Hulde dus aan Benoit-Thaddée Standaert en Lisa Mensing. Helaas was ik op de dag van de prijsuitreiking voor het eerst in jaren ziek, zodat ik moest afzeggen — heel jammer vond ik dat. Gelukkig zijn Lisa en ik intussen zo’n symbiose, dat dat niemand opviel. 😉
Wie mijn dankjewel-speech die ik had willen geven graag wil lezen, kan die op mijn website vinden of mij in het filmpje in drie talen wat bleekjes zien hakkelen. Dankjewel, jury!

Het is maar een lijstje. Het is maar een jury. Het is maar een momentopname, die meer zegt over de tijdsgeest dan over de kwaliteit van het werk. Of toch in elk geval ook over de tijdsgeest. Met die woorden troosten schrijvers, incluis ikzelf, zich als ze een prijs niet winnen. Winnen ze wel, dan vergeten ze dat meestal snel, en vinden het heel logisch dat ze gewonnen hebben — hun boek is ten slotte fantastisch, en gelukkig heeft de jury dat gezien. Prijzen, dat heb ik intussen geleerd, zijn heel relatief. Het zijn momentopnames. Toevalligheden. Eerst en vooral proficiat dus aan de collega’s wiens boek vandaag niet wint. Laat het niet al te zeer aan jullie hart komen. Samen zijn wij de literatuur van vandaag. Prijs of geen prijs.

Et pourtant… pourtant, je suis particulièrement heureux que ce soit justement « Le trophée » qui ait remporté le Prix Euregio. Car ce n’est pas n’importe quel prix. C’est un prix décerné par les lecteurs, avec un jury gigantesque. « Le trophée » reçoit cette distinction de votre part. De la part des jeunes. Et c’est tout à fait exceptionnel.

Denn „Trophäe“ ist kein nettes Buch. Kein kuscheliges Buch. Kein leichtes Buch. Es ist ein hartes und widerspenstiges Buch über ein Thema, über das niemand lesen möchte: Großwildjagd. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich darüber schreiben würde. Es ist auch ein Buch über komplexe Themen: den „White Gaze“. Toxische Männlichkeit. Neokolonialismus. Die Fehler unserer Vergangenheit. Niemand wird gerne auf seine Fehler hingewiesen. Und es ist ein hartes Buch, ein unangenehmes Buch auch – ein Buch, das uns zwingt, in den Spiegel zu schauen.

Toch hebben jullie net dit boek uitgekozen. Dat stemt me hoopvol. Hoopvol en heel gelukkig. Want dat bewijst dat jullie bereid zijn de problemen van de wereld in de ogen te kijken en mee willen nadenken over oplossingen. En dat is, denk ik, waar literatuur over gaat. Precies daarin schuilt de kracht van fictie.

Nous vivons à une époque où nous sommes profondément convaincus d’avoir raison, et où les algorithmes font en sorte que nous soyons entourés de personnes partageant les mêmes opinions. Discuter ensemble, discuter vraiment, n’a jamais été aussi difficile qu’aujourd’hui. Nous ne sommes même plus d’accord sur les faits : vos faits ne sont pas les miens, et encore moins ceux de Trump, des Russes ou des Iraniens. Avant même de pouvoir aborder le cœur du sujet, nous nous enlisons dans une quête des faits. C’est précisément là que réside la force de la fiction : entre les pages d’un roman, les faits sont figés, simplement parce que l’auteur en a décidé ainsi. Dans ce monde fictif, les choses sont ce qu’elles sont. Et nous pouvons donc à nouveau discuter sereinement de ce que nous en pensons. Nous y plonger. Nous pouvons à nouveau nous parler, « échanger nos points de vue ». Et donc aussi changer d’avis.

Fiktion ist im wahrsten Sinne des Wortes ein safe space. Ein gesellschaftlicher Reflexionsraum, in dem wir gemeinsam ungehemmt darüber nachdenken können, was in der Welt geschieht und wie es weitergehen soll oder besser gehen könnte. Unbeeinträchtigt von unseren festgefahrenen Meinungen oder der trügerischen Gewissheit, dass wir glauben zu wissen, was wir über etwas denken.

Bovendien kijken we niet buitenaf naar de feiten, maar door de ogen van een personage. Door andere ogen. Door de ogen van een ander. Iemand die misschien helemaal niet op ons lijkt, of die in een wereld leeft die mijlenver van de onze afstaat. Soms zelfs door de ogen van ‘de ander’. De tegenstander. Zo ontstaat empathie. Begrip. Onze blik wordt breder. Kritischer ook. Voor onszelf, maar ook voor de wereld.

Und wir lesen aus unserem Gefühl heraus. Anders als bei den Nachrichten, die wir von uns wegschieben können, damit sie uns nicht so hart treffen, schleichen sich Geschichten hinter diese Schutzhülle und unter unsere Haut, sodass wir uns zwangsläufig mit dem auseinandersetzen müssen, was wir lesen. Weil das Buch uns berührt. Und uns zum Nachdenken einlädt. Dass ihr alle gemeinsam über diese Geschichte nachgedacht habt, ist großartig. Und es gibt Hoffnung – denn mit dem Nachdenken beginnt Veränderung.

De Euregio-prijs is om nog een andere reden bijzonder.
Het is niet alleen een bekroning van een boek, maar ook van twee vertalingen.

Car à l’étranger, un livre ne vaut que par la qualité de sa traduction. Plus encore : sans le travail des traducteurs, il ne pourrait tout simplement pas y être lu. Pourtant, les traducteurs sont trop souvent oubliés, et leur travail est ignoré ou sous-estimé. Comme s’ils n’étaient que du personnel technique, des machines à traduire. Peut-être même bientôt remplaçables par l’IA — rien de plus que Deeple sur deux jambes. Mais loin de là !

Hätte Deeple und nicht Lisa mein neuestes Buch, „Das Geschenk“, übersetzt, hätte meine Hauptfigur in Unterhosen in einem Fernsehstudio gesessen. Denn Deeple hätte nicht bemerkt, dass er sich auf den Weg zur Arbeit gemacht hatte, ohne sich vorher anzuziehen. Lisa schon. Genauso wie Lisa mir erzählte, dass Deutsche keine Wurst in Kaffee tunken. Daraufhin suchten wir gemeinsam nach einer Alternative, um denselben Subtext auf eine Weise zu formulieren, die im deutschen kulturellen Kontext Sinn ergab.

C’est exactement ainsi que Benoît a su intégrer, dans la version française du Trophée, la richesse de sa langue et de ses expériences, rendant les descriptions de la nature en français tout aussi détaillées et sensorielles que dans l’original. On sent le soleil sur la peau et le suspens de la chasse nous coupe le souffle. Les phrases poursuivent la proie au même rythme qu’en néerlandais. Malheureusement, nombre de lecteurs ne se rendent pas compte à quel point la traduction est complexe et exigeante, car « tout est déjà là ». Il suffit « juste de traduire ». Comme moi aussi, je traduis de temps en temps, je sais exactement à quel point c’est difficile. « Juste traduire ».

En dus wil ik expliciet mijn beide vertalers bedanken: Lisa Mensing en Benoit Thaddée-Standaert, voor alle uren die ze met Trofee hebben doorgebracht, en de zorg waarmee ze zich om de taal, het ritme, de culturele referenties en alle andere details hebben bekommerd. Maar vooral omdat dankzij hun werk mijn gedachten tot bij jullie zijn geraakt, wat toch wel heel speciaal is.

Denn Literatur ist für mich in erster Linie Kommunikation. Gemeinsam über komplexe Fragen nachdenken, auf die auch ich keine vorgefertigte Antwort habe.

Mais par-dessus tout, je tiens à vous remercier, vous tous. Pour le prix, mais surtout pour votre lecture ! Car le fait que vous ayez tous été prêts à vous lancer dans cette aventure avec moi est pour moi un immense privilège et un merveilleux cadeau.

Dank-jullie-wel!

(met dank aan de helaas onbekende Euregio-vertalers, die mijn tekst in 3 talen omzetten.)

En hier is de dankrede van mijn Duitse vertaler Lisa Mensing:

 

Dankesrede Euregio Literaturpreis 2026 Trophäe

Fünf Minuten lang darf ich heute Abend reden – und diese fünf Minuten möchte ich natürlich dazu nutzen, um über meine Profession zu sprechen – das Übersetzen. Natürlich ist es auch als Übersetzerin immer schön, einen Preis zu gewinnen. Einen Preis wie den Euregio Literaturpreis zu gewinnen, ist allerdings besonders schön, denn dieser Preis feiert europäische Literatur nicht nur in der Originalsprache, sondern auch in der Übersetzung. Während wir Übersetzer:innen an nahezu allen Fronten stetig um unsere Sichtbarkeit – und in der heutigen Zeit wegen der kopflosen Nutzung künstlicher Intelligenz auch um unsere Existenz – kämpfen müssen, wird die Übersetzungsarbeit und -leistung von der EuregioKultur mitgedacht und vor allem auch mitausgezeichnet.

Für die Übersetzung von Trophäe habe ich 3 ½ Monate benötigt. Damals habe ich auch noch in Teilzeit an der Universität Münster gearbeitet, aber die Nachmittage und Abende, die unifreien Tage und Feiertage und die Wochenenden waren mit der Übersetzungsarbeit gefüllt. Es war eine anspruchsvolle Aufgabe. Wer sich schon mal ein Interview mit der Autorin angehört oder eine Lesung von ihr besucht hat, weiß, wie akribisch jedes Detail recherchiert wurde – und genau das muss ich ebenfalls machen, wenn der Text im Deutschen die gleiche Qualität haben soll.

Wieso denn das, fragen Sie sich jetzt vielleicht. Wieso muss die Übersetzerin alles nachrecherchieren? Traut sie der Autorin nicht? Da ich Gaea inzwischen gut kenne, traue ich ihr auf jeden Fall, aber das hilft mir beim Übersetzen leider nur bedingt, denn ich muss einen deutschen Text schreiben.

Für Trophäe musste ich mir das deutsche Großwildjagdjargon aneignen, ich musste mich mit dem Umgang mit Jagdgewehren auseinandersetzen und bestimmte Bewegungsabläufe von Nashörnern und anderen Tieren nachvollziehen, um Gaea Schoeters perfekt recherchiertes Vokabular ebenso präzise ins Deutsche zu übertragen.

Dafür habe ich mich in Internetforen begeben, mit einem Jäger gesprochen, Dokumentationen über die Großwildjagd in Afrika geschaut. Manchmal verbringt man mit einem Begriff einen ganzen Nachmittag: Wussten Sie zum Beispiel, dass nicht jedes Wildschwein in den USA ein Wildschwein ist, sondern vielleicht nur ein wildes Schwein bzw. ein ausgewildertes Schwein? Über diesen Aspekt haben Gaea und ich so lange diskutiert, dass unsere Lektorin irgendwann mit der digitalen Faust auf den Tisch gehauen und gesagt hat: Jetzt reicht’s, die Schweine in diesem Buch sind Wildschweine!

Aber das Fachvokabular ist natürlich nur ein Aspekt von vielen. Koloniale Jagdliteratur wie die von Hemingway war eine Inspirationsquelle für Trophäe, und so habe ich im Zeitraum des Übersetzungsprozesses Jagdberichte von Hemingway und den Klassiker Herz der Finsternis von Joseph Conrad gelesen, ich habe mich in Quellen eingearbeitet, die in Trophäe in irgendeiner Art und Weise verarbeitet wurden.

Das alles sind Aufgabenbereiche, die zur gewissenhaften Übersetzungsarbeit dazugehören. Und dann gibt es natürlich noch die literaturwissenschaftlichen und stilistischen Aspekte. Gaea neigt beispielsweise zu ellenlangen Sätzen, und die Tücke liegt darin, dass man die niederländische Satzstruktur grundsätzlich im Deutschen nahezu eins zu eins übernehmen könnte – doch dann erhielte man mit Sicherheit keinen Text, den Sie lesen möchten. Stattdessen müssen Nebensätze vertauscht, einzelne Wörter vorgezogen oder zurückgeschoben werden, es ist eine regelrechte Puzzlearbeit, die das Ziel verfolgt, den Rhythmus des Originals ins Deutsche zu übertragen – dieses Fieberhafte, Getriebene, im letzten Drittel nahezu Psychedelische, das diesen Roman unter anderem so besonders macht. Wo liegt der Fokus des Satzes, wo die Pointe? Welche Alliterationen können übernommen werden, welche an anderen Stellen aufgefangen? Wie sprechen die Figuren? Wie unterscheidet sich Jeans‘ direkte Rede von Hunters? Welches Register muss ich nutzen?

Übersetzen bedeutet, ganz genau in das Original einzutauchen, hineinzuhorchen, und möglichst jede Nuance zu erfassen, um sie in der Zielsprache zu reproduzieren. Und das funktioniert nicht, wenn man den Text nur einmal übersetzen würde. Nein, Literaturübersetzen bedeutet, diszipliniert vorzugehen, und sich die Sätze und jedes einzelne Wort immer und immer wieder vorzunehmen und die eigenen Entscheidungen stets zu hinterfragen. Und nur die Deadline setzt dem ein Ende.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Ich erzähle Ihnen das, weil die Übersetzungsarbeit viel komplexer und umfangreicher ist, als von vielen Menschen angenommen wird. Und weil sie schlecht bezahlt wird. Beides kann sich nur ändern, wenn über die Arbeit, die hinter einer jeden literarischen Übersetzung steckt, gesprochen wird, wenn die Übersetzungsarbeit und die Übersetzer:innen sichtbar gemacht werden, doch stattdessen suchen wir Literaturübersetzer:innen in Rezensionen oft immer noch nach unseren Namen, uns wird – obwohl wir rechtlich als Urheber:innen und somit als Schöfer:innen der Texte anerkannt werden – von vielen Verlagen die Nennung auf dem Buchumschlag verweigert – kurz gesagt: wir fallen oft unter den Tisch.

Genau deshalb ist es – wie anfangs gesagt – besonders schön, den Euregio Literaturpreis zu gewinnen, der eben nicht nur die Autorin, sondern auch meinen Kollegen Benoît-Thaddée Standaert und mich mitauszeichnet. Und ganz besonders freue ich mich darüber, ihn für dieses Buch, für Trophäe zu gewinnen, denn Gaea Schoeters ist eine Autorin, die immer – ja wirklich immer an ihre Übersetzer:innen denkt und dafür gesorgt hat, dass wir oft zusammen auf der Bühne stehen und gemeinsam mehr Sichtbarkeit für die Übersetzungsarbeit schaffen können. Am allermeisten freue ich mich aber darüber, dass der Euregio Literaturpreis eine einzigartige Jury hat – eine Jury, die aus Schüler:innen besteht, den kritischsten Leser:innen, die es gibt. Dass ihr Trophäe ausgewählt habt, ist eine ganz besondere Auszeichnung und bedeutet mir wirklich viel. Ich danke euch von Herzen!